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19. Diplomatenkolleg
Laurens Christiaan Vincent Kymmell, Zweiter Botschaftssekretär an der Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin © Till Budde
Das Diplomatenkolleg bot mir als niederländischem Diplomaten einen außergewöhnlichen Einblick in Deutschland aus nächster Nähe. Vom Besuch der Morgenkonferenz der Welt bis hin zu einem Mittagessen mit Staatsminister Krichbaum eröffnete das Programm einen vielschichtigen Blick auf das politische Berlin. Gespräche mit dem Bundestag, Ministerien, Medien, Thinktanks und Interessenvertretungen vermittelten ein klares Bild vom pulsierenden Zentrum der deutschen Politik.
Wer Deutschland wirklich verstehen will, muss jedoch auch über Berlin hinausblicken. Die Reisen nach Baden-Württemberg, Thüringen und Brandenburg boten diese breitere Perspektive. Sie machten deutlich, wie Geschichte und Geografie bis heute regionale Unterschiede prägen. Vom gemeinsamen deutsch-polnischen Polizeizentrum an der Ostgrenze bis zu einem Unternehmensbesuch bei STIHL in Stuttgart zeigte das Programm eindrucksvoll die Vielfalt Deutschlands.
Vor diesem Hintergrund zog sich eine zentrale Frage wie ein roter Faden durch das Programm: Wie positioniert sich Deutschland in einer sich rasch verändernden Weltordnung – und welche Rolle will die neue Bundesregierung dabei übernehmen? In nahezu allen Gesprächen wurden dieselben Herausforderungen deutlich: der Krieg auf dem europäischen Kontinent, zunehmende Sicherheitsbedrohungen, wachsende geopolitische Bruchlinien, eine immer unvorhersehbarere Wirtschaft sowie das Erstarken antidemokratischer Kräfte. Diese Entwicklungen zwingen Deutschland zu weitreichenden Entscheidungen. Langjährige Konventionen und Dogmen werden neu bewertet: Die Schuldenbremse wurde aufgeweicht, es wird in bislang ungekanntem Umfang in die Verteidigung investiert, und auch die deutsche Bürokratie steht vor tiefgreifenden Reformen.
Neben diesen Herausforderungen wurde im Verlauf des Programms auch deutlich, worin die Stärke Deutschlands liegt. Ein wachsendes geopolitisches Bewusstsein, aktive Diplomatie, ein starker und innovativer Mittelstand, exzellente Forschung sowie eine engagierte Zivilgesellschaft bilden gemeinsam das Fundament, mit dem Deutschland diesen Herausforderungen begegnen kann.
Diese Aufgaben kann Deutschland nicht allein bewältigen. Die Niederlande, als Nachbarland und einer der engsten Partner Deutschlands – drittwichtigster Handelspartner, zweitgrößter Investor und enger militärischer Verbündeter – wissen das nur zu gut. Erfolgreiche Zusammenarbeit setzt gegenseitiges Verständnis voraus. Genau hier setzt das Diplomatenkolleg an: Es befähigt neue Diplomatinnen und Diplomaten, Entwicklungen und Perspektiven in Deutschland nicht nur zu verfolgen, sondern wirklich zu verstehen.
Mindestens ebenso wertvoll waren die Begegnungen mit den anderen Teilnehmenden, die jeweils ihre eigenen Perspektiven einbrachten. Zwischen den intensiven Programmtagen blieb Raum für informelle Gespräche und gemeinsame Mahlzeiten. Diese Momente sorgten nicht nur für Entspannung – bis hin zu spontanen Karaoke-Einlagen –, sondern führten auch zu nachhaltigen beruflichen Kontakten und Freundschaften.
Für diese Erfahrung bin ich dem Auswärtigen Amt sehr dankbar. Mein besonderer Dank gilt Botschafter Hans-Jürgen Heimsoeth, der Programmkoordinatorin Helen Klaes sowie dem Team – Michael Schultheiß, Elias-Étienne Reuter und Canalp Woelke –, die das Diplomatenkolleg mit großer Sorgfalt und großem Engagement gestaltet haben.
Laurens Kymmell